Ostalb-Kultur
13.05.2019

Die zwei Herren der Ringe

Konzert Aalens Collegium musicum präsentiert Wagner und Filmmusik.

Bei Wagners Ouvertüre aus den „Meistersingern“ hat Dirigent Gero Wittich alle Hände voll zu tun. - Foto: kul

Was für ein atemberaubender Auftakt! Oder – etwas zurückhaltender – was für ein musikalisch Undurchdringlicher? Gemeint ist dieser fast statisch wirkende Klangteppich, dessen dunkler Rhythmus von einem stetigen „Bam-bam-bahm“ getrieben zu sein scheint. Eine Musik, die keinen Zweifel aufkommen lässt – Wagner!

Aalens Collegium musicum wählte sich passend zum verregneten Samstagabend die Ouvertüre aus den „Meistersingern“ als Auftakt zum Frühlingskonzert, dem die Musici die vielsagende Überschrift „Die Herren der Ringe“ gegeben haben. Alles Nachfolgende steht denn auch durchdacht unter diesem Aspekt, seien es die Wagnerschen Kompositionen oder die von Howard Shore. Den kennt zwar kaum jemand, seine Filmmusik zu „Herr der Ringe“ aber schon.

Wagners Ouvertüre ist vom ersten Takt an laute, dichte und opulente Musik, bei der Dirigent Gero Wittich alle Hände voll zu tun hat, um sein Collegium sicher durch ungestümes, nicht enden wollendes Brausen zu führen. Nur für eine Handvoll Akkorde gewährt ihnen Wagner Entspannung, schiebt noch ein paar heitere hinterher, um dann erneut dem Notensturm zu frönen.

Danach verlassen die Blechbläser die Bühne. Streicher und Holzbläser dürfen bleiben, auch das Horn, ist es doch bei Wagner immer gefragt, zumal nun das „Siegfried-Idyll“ auf dem Programm steht. Wie beim Meistersinger-Vorspiel reihen sich hier ebenfalls vier Motive aus der Oper aneinander.

Das Collegium musicum intoniert einen sanft dahinfließenden Gesang, stimmt so die „Friedensmelodie“ an. Feinfühlig und mit dem notwendigen Maß an Zurückhaltung erklingt zeitentrückt das „Ewig war ich, ewig bin ich“.

Eine sinnliche Verführung, die sich in Howard Shores „Symphonic Suite“ fortsetzt. Besser bekannt als Filmmusik aus dem „Herrn der Ringe“. Selbstredend ist damit nicht die elfstündige Version gemeint, sondern eine dreisätzige Komposition, die es mit den anfänglichen „Pauken und Trompeten“ durchaus mit Wagner aufnehmen kann, die aber im Verlauf den wohlbekannten Filmsound durchscheinen lässt. Shores Kollege Enrico Morricone lässt grüßen.

Wer die „Ringe“-Trilogie kennt, dem beschert das Collegium eine spannungsreiche, wohl interpretierte Reminiszenz an so manch spannende Filmszene. Alle anderen können sich an dieser monumental angelegten Musik erfreuen. - Herbert Kullmann